Wie die Judoka des BSV die Schulen erobern

Die Kinder aus der Rotkäppchen Schule schauen sich Judo-Wettkämpfe während der Olympiade in London 2012 im Fernsehen an. Sie kennen die Namen der Würfe und verstehen die Regeln. All das, weil sie Judo, dank der Judo-Abteilung des Buxtehuder SV, als eine Arbeitsgemeinschaft in der Schule machen.

 

Seit einigen Jahren kann man im Buxtehuder SV beobachten, dass wenn Jugendliche im Alter zwischen 13 und 14 Jahren mit Sport aufhören oder kein Sport für sich gefunden haben sie für den Vereinssport für immer verloren, gehen. Die Frage ist: Wie und wo kann man dann noch mit Sport anfangen? Der Judo-Trainer Joachim Reichardt: „Ich hatte die Idee, dass wir uns am Sport an den Schulen beteiligen können, da man nur über den Schulsport viele Kinder erreichen kann“. Der erfahrene Trainer ist auch überzeugt: „Es ist eine hervorragende Möglichkeit um die positiven Seiten des Sports, insbesondere des Judos, rechtzeitig in den Lebenslauf der Kinder zu integrieren.“

 

Die modernen Ganztagsschulen bekommen durch Judo nicht nur ein zusätzliches Freizeitangebot, sondern vor allem die Unterstützung in drei wichtigen Erziehungsbereichen: Dem sozialen, dem gesundheitlichen und letztendlich dem sportlichen.

 

„Judo ist eine vom Sozialverhalten geprägte Sportart“ - so propagiert der Deutscher Judo-Bund. Der Sport hat klare Regeln für die Kämpfe und vor allem Umgangsformen – also ideal passend auch für moderne Schulen. Judos Grundprinzip, „gegenseitiges Helfen und Verstehen zum beiderseitigen Fortschritt und Wohlergehen“, spielt hierbei eine zentrale Rolle in dem verantwortungsvollen Miteinander der Judo-Partner und Schüler. Durch diese Eigenschaften wird Judo zur Entwicklung und Förderung von Selbstbewusstsein und des positiven Schul- und Sozialverhaltens angewendet.

 

Der Deutscher Judo-Bund hat extra für Schulen ein Trainingsprogramm entwickelt, dass die Schüler motiviert sich sportlich zu betätigen. Auf dem ersten Trainingsplan liegt vor allem der gesundheitliche Bereich. Wert wird besonders auf die Förderung der Körperwahrnehmung, des Bewegungsempfindens, die Stärkung der Stütz- und Haltemuskulatur und die Förderung grundlegender koordinativer und konditioneller Fähigkeiten gelegt. Die Übungen sind ohne Ausnahme für alle geeignet und niemand muss in der Schule außen stehen. „Judo zählt zu den wenigen Sportarten, in denen übergewichtige Kinder keine Nachteile haben", wiederholte in mehreren Interviews Professor Dr. Med. Rainer Ganschow vom Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), selbst Träger des 6. Dan in Judo.

Lehrer unter sich Stefan (links) und Steven
Lehrer unter sich Stefan (links) und Steven

Bekannt ist auch, dass Judo im sportlichen Bereich eine Einstiegssportart ist, da sich über die Hirnentwicklung durch Koordinationsübungen sowohl die Noten als auch die allgemeine Sportlichkeit verbessern. Sie ist somit wie Turnen eine ideale Vorbereitung auf alle Sportarten. Um nur drei Beispiele zu zeigen: Johannes Heise, Marco Schauer und Jasper Frahm gehörten jahrelang zu den besten Buxtehuder SV jugendlichen Judoka. Irgendwann haben sie in anderen Sportarten ihre Leidenschaft entdeckt und sind dort auch mit BSV erfolgreich. Johannes hat in 2012 bei den Deutschen Meisterschaften im Triathlon teilgenommen. Marco hat in 2012 bei den Hamburger Leichtathletik Meisterschaften über 300 m Hürden gewonnen. Jasper ist durch die Ergebnisse beim Triathlon an die Elitesportschule in Dresden gekommen.

Die drei klaren Bereiche des Judo: Der soziale, der gesundheitliche und der sportliche, genügen nicht allein für die Einrichtung einer Judo AG in den Schulen. Man muss Sponsoren für den Ankauf der Judomatten auftreiben, Schulen überzeugen eine Judo AG anzubieten und die Lehrer finden, die sich als Judo-Trainer ausbilden lassen wollen.

 

Da der Sportverein die Matten für den Schulsport nicht selbst finanzieren kann, versuchte die Judo-Abteilung des Buxtehuder SV über Spenden den Kauf von Judomatten für die Schulen zu finanzieren. Der Buxtehuder SV Judo-Trainer Joachim Reichardt, hatte Spender gesucht und gefunden. Vor allem waren es: Bild hilft Aktion ‚Ein Herz für Kinder‘, HASPA, Lotto Sportstiftung, Sparkasse Stade Altes Land, Stadtwerke Buxtehude und Frau Dr. Siemsen aus Buxtehude. Die Matten werden dann an die Schulen verliehen bzw. für die schuleigenen Judo AGs fest vorgehalten.

 

Im Schuljahr 2012/2013 konnte der Buxtehuder SV in mehreren Schulen eine Judo AG organisieren. Zu den Schulen gehören: Grundschule Altkloster, Integrierte Gesamtschule in Buxtehude, Grundschule am Rotkäppchenweg in Buxtehude, Grundschule Estebrügge in Kooperation mit dem ASC Estebrügge und die Grundschule Neukloster/Hedendorf. Bald soll auch eine Judo AG an der Albert-Schweitzer-Förderschule starten undes laufen die Vorbereitungen um eine Judo AG an der Grundschule Harburger Straße zu Gründen. Außerdem besteht ein Plan im Schuljahr 2013/2014 ein Judo-Projekt zusammen mit der Lebenshilfe zu betreuen.

 

Im Rahmen unserer Aktion fingen mehrere Lehrer an Judo zu trainieren. Durch die für die Schulen kostenlose Aktion „Judo tut Kindern gut“ nehmen derzeit Svenja Hochartz und Steven Reinke, zwei engagierte Lehrkräfte der Albert-Schweitzer-Schule, in ihrer Freizeit an der Fortbildung unserer Judo-Abteilung teil. Andere Schulen sind auch dabei und die Lehrer Kerstin Kratzk oder Stefan Brandt haben schon die ersten Judo-Prüfungen absolviert.. Auch pädagogische Mitarbeiter wie z.B. Susanne Clever machen Judo und betreuen die Judo AGs in den Schulen, . Auch unsere langjährigen Judoka sind als Betreuer aktiv: Dorothèe Falk, eine Förderschullehrerin, bereitet sich für das Judo-Projekt mit der Lebenshilfe und Svenja Liermann, eine Sport Studentin, führt eine Judo AG in Hedendorf. Die Nachfrage dort ist so groß, dass Überlegt wird, zusammen mit VSV die Judo Abteilung wieder aufleben lassen. Letztlich unsere erfahrene Buxtehuder SV Trainerin, Birgit Mizera, ist als Übungsleiterin im Rahmen von Judo AG´s an mehreren Schulen tätig.

 

Und wie sehen es die Betreuer selbst? „Meine Erfahrung ist, dass man die 1 – 7-Klässler sehr gut motivieren kann“, sagt Birgit Mizera. Die Bestätigung bekommt sie von Svenja Liermann: „Die Kinder sind wirklich bereit Judo zu lernen und haben Spaß. Gleich nach zwei Trainingseinheiten hatten 60 % der Teilnehmer einen eigenen Judoanzug. Ich denke, dass einige auch bereit wären am Ende am Wettkampf teilzunehmen!“ Da die Gruppen sehr unterschiedlich sind, muss in den AG´s differenziert vorgegangen werden. „Die Judo AG an der Rotkäppchen Grundschule ist dieses Halbjahr mit lauter 1-Klässlern vertreten, was sich z.Z. auf reine Spiel- und Bewegungsstunden beschränkt. Anders war es an der IGS-Nord, dort hatte ich sowohl Kinder mit, wie auch ohne Judoerfahrung. Die Gruppe ist sehr interessiert und die Kinder unterstützen sich auch gegenseitig“, sagt Birgit Mizera.

Lehrerin Svenia beim O-Goshi
Lehrerin Svenia beim O-Goshi

Eine große Unterstützung kommt auch von den Schulen. „Ohne Akzeptanz der Lehrer wäre es nicht möglich“, sagt deutlich der BSV Trainer Joachim Reichardt. „Die Mitarbeit mit der Lehrkraft funktioniert richtig gut“, ergänzt Svenja Liermann und fügt auch dazu: „Sie hilft beim Auf- und Abbau und scheint auch Interesse am Judosport zu haben.“

Und letztendlich die BSV Judo Betreuer sehen die Bestätigung ihrer Arbeit, weil mehrere Kinder, nach der Judo AG zu Buxtehuder SV gekommen sind. Durchschnittlich kommen aus einer Judo AG Gruppe zwei Kinder zu dem normalen Judo Training bei BSV. Sie sind dann zielstrebig und haben schon die ersten Judoprüfungen absolviert. Manche haben nicht die Zeit dazu, aber kommen mit großer Freude zur Judo AG. „An der Grundschule Altkloster ist es z.B. Lenny, der sich freut wenn er mit mir Judo vorführen darf“, sagt Birgit Mizera.

 

Buxtehuder SV Trainer Joachim Reichardt sieht gute Entwicklung der Idee „Judo AG in der Schulen“. Er hofft, dass noch mehr Schulen und Lehrer an dem Projekt teilnehmen und von den ersten Erfahrungen profitieren. Für mehr Informationen und Anfragen ist er unter Tel- 04167/6817 zu erreichen.

 

Die Kinder aus der Rotkäppchen Schule haben Ole Bischof im Finale bei der Olympiade 2012 erlebt, wo er seine zweite olympische Medaille gewonnen hat. Wer weißt, vielleicht werden sie während der Olympiade 2024 selbst auf der Matte für Deutschland stehen. Die Buxtehuder SV Judo-Abteilung könnte dann noch mehr zufrieden sein, dass die Idee „Judo AG in den Buxtehuder Schulen“ ins Leben gerufen wurde.